• Blogideekasten #56 – Was darf Technik?

    Der Blogideekasten fragt, was Technik darf. Für mich als Informatiker und Techniknerd ist es quasi DAS Stichwort schlechthin. Umso beschämender, dass ich es nicht ganz pünktlich geschafft habe, meinen Beitrag einzusenden, denn eigentlich war gestern Fristende. Aber ich wollte es mir nicht nehmen lassen und hoffe, dass mein Beitrag trotzdem dort eingepflegt wird 🙂

    Auch wenn ich wie gerade gesagt vom Fach bin und es daher eigentlich aus mir heraussprudeln müsste, habe ich mich ehrlich gesagt etwas schwer getan, Dinge zu finden über die ich bei diesem Stichwort schreiben könnte. Ich finde es schwer zu beschreiben was Technik DARF. Interessanter finde ich ja immer die Frage was Technik KANN. Denn was Technik darf, kann man meiner Meinung nach erst beurteilen, wenn man weiß, was (und vor allem wie zuverlässig) sie etwas kann.

    Nehmen wir als Beispiel mal die Medizin. Heutzutage gibt es Geräte, die den menschlichen Körper komplett selbstständig am Leben erhalten können. Ob die Technik dies immer darf, vielleicht sogar muss, oder ob es Situationen gibt, in denen man der Natur nicht in ihren Lauf der Dinge hineinpfuschen darf, ist ein sehr schweres Thema. Es ist eines dieser Themen, zu denen es (zurecht) mehrere Meinungen gibt. Ohne das was die Technik heutzutage alles leistet, wäre ich vermutlich nicht mal ins Kindergartenalter gekommen. Nicht nur deshalb finde ich es gut und richtig, dass Technik in der Medizin so umfassend eingesetzt wird, wie es der Fall ist.

    Es gibt aber natürlich auch viele andere Bereiche. Ganz aktuell ist das Thema Tesla. Tesla baut Autos mit sogenanntem „Autopilot“. Dabei handelt es sich allerdings derzeit nicht um ein System, welches das Auto völlig selbstständig von A nach B fährt, sondern lediglich um ein Assistenzsystem, welches die Spur hält sowie den Abstand zum Vordermann reguliert und ähnliches. Hier finde ich es sehr schwierig zu sagen, was Technik darf. Unter dem derzeitigen Entwicklungsstand ist es meiner Meinung nach ein absolutes Unding, etwas als Autopilot zu vermarkten. Auch wenn Tesla immer wieder betont, dass das System während der Fahrt ständig vom Fahrer überwacht werden muss und noch keine völlig autonome Lösung darstellt, kann ich nachvollziehen, dass viele Menschen direkt ihr Hirn abschalten, wenn sie „Autopilot“ lesen. Mal Hand aufs Herz: Wer von euch liest regelmäßig die AGB, wenn er sich irgendwo anmeldet?

    In meiner Vision gibt es eine Art zentrales Fahrzeugnetzwerk. Wenn die Fahrzeuge untereinander kommunizieren können, wird der Sprung zum autonomen Fahren kein Großer mehr sein. Autos können sich gegenseitig vor Gefahren warnen, sodass nachfolgende Fahrzeuge schon früh die Geschwindigkeit anpassen können. Agieren statt reagieren. Auch wären die Kämpfe an Reißverschlusssystemen endlich beendet. Dass der Vordermann wegen einer Kurve oder Kreuzung gleich bremsen wird, weiß mein Fahrzeug dann schon und kann entsprechende Maßnahmen einleiten.
    Sollte es dann doch mal zu plötzlichen Geschehnissen kommen wie ein technischer Defekt während der Fahrt, könnte das betroffene Fahrzeug alle im Umkreis fahrenden Fahrzeuge direkt vor sich selbst warnen. Wenn das Fahrzeug merkt, dass etwas nicht stimmt, kann versucht werden in einen sicheren Bereich wie den Standstreifen zu fahren. Wie man reagiert, wenn beispielsweise der Reifen platzt oder das Auto rutscht, kann man ja heutzutage schon in diversen Fahrsicherheitstrainings lernen. Die Fahrzeuge kennen diese Fahrmanöver allesamt und können entsprechend reagieren. Natürlich lassen sich dadurch nicht alle Unfälle vermeiden aber es würde die Sicherheit auf den Straßen drastisch erhöhen.

    Leider bin ich jetzt total am eigentlichen Thema vorbei gerasselt. Ich finde es nunmal schwer zu sagen, was Technik darf, aber zusammenfassend würde ich es so beschreiben: Technik darf unseren Alltag erleichtern und sicherer machen und uns unterstützen. Natürlich ist der Eingriff von Technik immer von mehreren (wie bspw. auch Datenschutzgründen) Seiten zu betrachten. Genau deshalb kann man es eben auch nicht pauschal sagen, was Technik darf und was nicht.


  • Blogideekasten #13 – Wie siehst du dich selbst?

    Dieses Thema im Blogideekasten sehe ich als Chance. Eine Chance, mich selbst auf meine Ehrlichkeit mir gegenüber zu testen. Denn wie einige von euch vielleicht wissen, habe ich eine sehr negative Meinung über mich selbst. Leider belüge ich mich was das angeht auch sehr oft selbst statt mal anzufangen, dagegen anzukämpfen. Vermutlich auch, weil es einfach SO tief sitzt, dass ich dieses Problem selbst nicht mehr los werde. Dieses Thema ist daher eine gute Chance, einmal selbst in mich zu gehen und mir die Frage zu stellen: „Für wen halte ich mich eigentlich und wieso empfinde ich mich selbst so?“.

    Lange Jahre war Selbstreflexion für mich kein schwieriges Thema. Ich war ein lebensfroher Junge, ging auf eine Regel-Grundschule und spielte – so gut es eben ging – mit den anderen Fangen, Verstecken, Kämpfen und Fußball. Dass mein damaliger Schuldirektor mir zuerst keine Busfahrkarte genehmigen wollte, weil ich behindert bin und sogar dass der Busfahrer – nicht nur einmal – meinen Rollstuhl an der Schule hat stehen lassen „weil es halt nicht passte“ hat mich kaum gejuckt. Rückblickend denk ich mir nur „WTF?!“ aber damals war es eher so „oh, dann muss ich Oma gleich mal fragen, wann wir den Rolli abholen können. Aber okay kein Ding“. Ich war das typische Kind was das anging. Mane erzählte mir, dass ich in der Pause im Klassenraum bleiben müsse, weil die Treppe für mich zu gefährlich sei. Statt es als Diskriminierung zu sehen sah ich nur das „Cool, ich darf hier alleine mit einem Kumpel rum albern! :D“.

    Dann – mit Beginn der weiterführenden Schule – begannen die ersten Zweifel. Meine Mitschüler dort kannten sowas wie einen Rollstuhl nicht. Ein Behinderter war halt „was anderes“ als die anderen. Und anders ist in dem alter immer gleichbedeutend mit doof. Dann auch noch nicht wirklich Fußball spielen können und beim Fangen immer verlieren war mein klasseninternes Todesurteil. Fortan begann Mobbing von der feinsten Sorte. Ich solle doch endlich laufen lernen und mich nicht anstellen als sei ich ein Riesenbaby war da noch mit das Netteste. Und weil ich, wie ich oben sagte ein sehr naives Kind / Jugendlicher war, haben sie damit total getroffen. Ich fing an mich zurück zu ziehen und klammerte mich an die zwei Freunde, die nicht so wie die anderen waren. Sie verteidigten mich zwar nicht aktiv aber sie waren nett zu mir und nahmen mich wie ich war.

    Mit den Jahren wurde es immer schlimmer, aber da ich zum einen die Lehrer mehr oder weniger auf meiner Seite habe und zum anderen diese zwei Freunde hatte war es zumindest erträglich. Mit der Zeit verschlechterte sich aber auch mein Behinderungsbild und ich war immer mehr auf den Rollstuhl angewiesen. Der Hausmeister dort war aber ein wundervoller Mensch. Er versuchte alles Menschenmögliche um mir das Leben dort so einfach wie möglich zu gestalten. Er betonierte Rampen an jede Treppe wo es nur ging und baute alles um was irgendwie möglich und nötig war. Der Direktor stellte mir sogar ein Schließfach und einen zweiten Satz Bücher, damit ich diese nicht schleppen musste und immer einen vollen Satz in der Schule und zu Hause hatte. TRAUMHAFTES PERSONAL sag ich nur! Ich weiß gar nicht, ob den Lehrern dort bewusst ist, was sie für mich bedeutet haben, aber es war – von den Mitschülern mal abgesehen – toll dort. Leider musste ich die Schule aufgrund meiner Behinderung dann irgendwann verlassen. Aber das gehört gar nicht zum Thema, ich schweife ab!

    Die neue Schule war jedoch für mein Selbstbewusstsein und Selbstempfinden zunächst ein Volltreffer. Dort fand ich das erste Mal richtige Freunde, die auch zu mir standen. Es war ein schönes Gefühl und dort schaffte ich es sogar zwischenzeitlich zu einer „zentralen Figur“ unserer Clique zu werden. Irgendwann begann diese Stellung jedoch abrupt zu kippen.

    Eins vorweg: Über die Gründe habe ich an anderer Stelle ausführlich geschrieben. Kurzversion: Ich wurde Opfer einer extrem hinterhältigen Aktion diverser Mitmenschen. Diese Aktion kostete mich in letzter Konsequenz nahezu alle Freundschaften und sorgte letztendlich dafür, dass mein persönliches Bild ist wie es heute ist.

    Nämlich durchweg negativ. Ständige Selbstzweifel begleiten mich. Permanent ist da dieses Gefühl, welches mich von so vielem abhält. Ihr erinnert euch vielleicht noch daran, dass ich vor einigen Monaten mal geschrieben hatte, ein oder zwei Personen mal persönlich zu treffen? Nunja, daraus wurde bis heute nichts. Und die Schuld dazu schiebe ich mir oftmals selbst zu. Man verlor sich mit der Zeit scheinbar aus den Augen. Mit einer dieser Personen schreibe ich im Schnitt alle drei Monate mal ein paar DM’s und dann auch nur für kurze Zeit, mit Glück für ein paar Tage. Das ist jetzt aber auch schon wieder über 2 Monate her. Mit der anderen Person habe ich lt. Twitter schon über viereinhalb Monaten nicht mehr wirklich kommuniziert. Klar, man liest sich über Twitter-Stati und in den Blogs, aber direkte persönliche Kommunikation ist leider momentan ziemlich tot. Auch deswegen, weil ich mich nicht traue, diesen Menschen zu schreiben. Bisher war es immer ICH, der irgendwann innerlich einfach die Nerven verloren hat und dann schreiben musste, weil er es nicht mehr aushielt. Ich fühle mich dabei aber immer so aufdringlich und hoffe Tag für Tag, dass diese Menschen sich melden. Denn – und das ist ein weiteres meiner Probleme mit mir selbst – ich habe sehr oft das Gefühl, es einfach nicht wert zu sein, dass man mir mal initial schreibt. Offenbar geht es diesen Menschen ohne den Kontakt zu mir durchaus gut. Offenbar liegt ihnen nichts daran, den Kontakt dauerhaft zu halten und/oder zu intensivieren.

    Ich möchte aber klarstellen: Sollte sich jemand hier eventuell wiederfinden -> Ich bin nicht sauer! Ich bin auch nicht enttäuscht oder ähnliches! Ich bin einfach traurig. Ich wünsche mir fast nichts mehr, als etwas von diesen Menschen zu hören, aber ich kreide es ihnen nicht negativ an, dass sie den Kontakt derzeit nicht von sich aus suchen. Im Gegenteil: Wie oben geschrieben richte ich die negativen Gedanken dabei voll auf mich. Falls jemand also glaubt, gemeint sein zu können – es wäre wunderschön, wieder von dir zu hören! Mein DM Fach steht jederzeit offen.

    Jedenfalls hat die oben beschriebene Aktion der Mitmenschen auf der Schule mich psychologisch total zerstört. Und das schreibe ich so krass, weil es so ist. Selbstbewusstsein habe ich absolut keins mehr. Selbstwertgefühl erst recht nicht. Ich gehe Menschen aus dem Weg, weil ich mir einrede, sie haben es nicht verdient, sich mit „etwas wie mir“ abgeben zu müssen. Ich lasse Kontakte schleifen, weil ich sie nicht nerven will und ich traue mich nicht auf Menschen zu zu gehen, aus Angst, wieder genauso wie damals hintergangen zu werden. Mein Vertrauen zu gewinnen ist sehr schwer, ich bin scheuer geworden wie ein Reh. Immerhin habe ich genau das inzwischen eingesehen: Ich bin ein psychischer Totalschaden.

    Leider ist es alles andere als einfach, den Mut zusammen zu kriegen, sich tatsächlich Hilfe zu holen. Ich bin inzwischen so weit, dass ich einsehe, da alleine niemals mehr raus zu kommen. Ich weiß, dass es dringend nötig wäre, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber mir fehlt das Initialfeuer. Ich brauche einen Arschtritt, der mich in gewisser Weise dazu zwingt, mir diese Hilfe zu holen.

    Ich habe in den letzten Monaten viel mit Menschen, die Depressionen o.ä. diagnostiziert haben, geschrieben. Das Feedback und der positive Zuspruch sind einfach unglaublich. Ihr wisst gar nicht, wie gut mir das tut! Einerseits wird mir der Rücken gestärkt, andererseits bekomme ich wertvolle Tipps, wie ich an Hilfe kommen kann. Mir wurde bereits mehrfach gesagt, dass es normal ist, in meiner Situation so über sich selbst zu denken und es tut gut, nicht alleine damit zu sein. Also falls jemand der angesprochenen das liest: Danke für alles und ich hoffe, euch eines Tages auch persönlich danken zu können! Ihr seit ein Anker in den schlechten Tagen meines Lebens.

    So, ich denke ich habe für’s erste genug zu dem Thema Selbstbild geschrieben. Es könnte noch so viel mehr werden, aber vieles von dem, was mir gerade noch in den Gedanken herumschwirrt gehört dann doch protected. Aber diese Selbstreflexion tat gut und falls es auch nur einer bis hier hin ausgehalten hat, bleibt mir nichts anderes zu sagen als: Danke, dass du dich für diesen Gedankensalat interessierst. Danke für’s „zuhören“ und ich hoffe, ich habe dich nicht zu sehr verschreckt…

    Wie ich in meiner Vorstellung bereits geschrieben habe, blogge ich hauptsächlich für mich persönlich. Das gilt für diesen Text in ganz besonderer Weise. Diesen Text zu schreiben hat mich Unmengen an Kraft gekostet. Lange habe ich überlegt, ob ich es überhaupt tun sollte, aber ich wollte einfach mal drauflos schreiben und am Ende schauen, was draus wird. Ohne groß nachzudenken einfach mal gucken, was die Worte letztendlich über mich hergeben. Denn so reflektiere ich mich vor Allem selbst und erkenne, was ich tief in mir drin von mir denke, wenn ich mal nicht angestrengt nachdenke. Bitte habt also Nachsicht, wenn dieser Text vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas durcheinander wirkt oder vieeeeeel zu lang ist!


  • Blogideekasten #95 – Heimat und Verbundenheit

    Dieses Mal war das Thema im Blogideekasten „Heimat“ bzw. „Verbundenheit“. Gerade für jemanden wie mich, der seit einiger Zeit weit von der Familie entfernt wohnt, ist dies ein spannendes Thema. Auch wenn ich bereits seit 2006 mehr oder weniger durchgehend nicht mehr die meiste Zeit zuhause verbringe, bin ich trotzdem sehr familiengebunden. Hier zu leben ist für mich inzwischen(!) normal geworden. Dass ich – ohne den Stau dazu zu rechnen – 2 Stunden brauche bis ich bei meiner Familie bin, ist in Ordnung. Das ist es aber auch nur, weil ich diese Stadt wie gesagt bereits seit nunmehr 10 Jahren kennen und lieben gelernt habe. Stand jetzt würde ich niemals in eine andere Stadt, so fernab der Familie ziehen wollen. Einen kompletten Neuanfang könnte ich nur wagen, wenn ich „mal eben“ zurück zur Familie könnte. In den Süden zu ziehen ist also momentan beispielsweise unvorstellbar, auch wenn die dortigen Städte wie bspw. Nürnberg ein Traum für Rollstuhlfahrer sind! Der gesamte Rest meiner Familie lebt in einem kleinen Dorf far far away. Und dort in diesem Dorf, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen ist und bleibt meine Heimat. Auch wenn ich in dieser Stadt hier bis an mein Lebensende leben und arbeiten sollte: Ich bin ein Dorfkind und habe fast meine gesamte Kindheit dort verbracht. Und egal was kommt, dorthin zurück zu kehren ist für mich IMMER eine Option. Einfach weil ich dort aufgewachsen bin und die Gegend meine angeborene Heimat ist. Diese Gegend und ich werden immer verbunden sein.

    Nichtsdestotrotz ist auch mein jetziger Wohnort ein bisschen Heimat geworden. Hier lebe ich seit vielen Jahren, hier habe ich meinen Freundeskreis (abgesehen davon, dass 80% meiner Freunde quer durch die BRD verteilt wohnen…) und hier ist mein derzeitiger Mittelpunkt des Lebens. Das sorgt natürlich auch für ein gewisses Maß an Verbundenheit und Heimatgefühl. Ich kenne diese Stadt sehr gut und fühle mich hier zuhause. Wohl auch deswegen, weil ich hier meine eigenen vier Wände habe. Ich kann mich jederzeit hierher zurück ziehen und mein Leben leben. Hier stört es niemanden, wenn ich mal wieder eine meiner Phasen habe in der alles scheiße ist. Hier ist es egal, wenn ich mich einen ganzen Tag lang nicht motivieren kann Dinge zu erledigen. Bei meiner Familie wäre das nicht möglich. Dort habe ich inzwischen nicht mal mehr ein eigenes Zimmer. Das führte mit der Zeit dazu, dass ich mich zwar in dem Ort „wie zuhause“ fühle, nicht aber zwingend in der Wohnung meiner Mutter. Würde sie woanders wohnen, wäre es wohl höchstens noch die Tatsache, dass es die Familie ist, die mich nicht vollständig als Gast erscheinen ließe. Das mag jetzt hart klingen, aber ich glaube ich habe bereits an anderer Stelle davon geschrieben, dass ich nie so das mega enge Verhältnis zu meiner Mutter hatte. Sie war während meiner Kindheit wenig zuhause, da sie nebenbei studierte und arbeitete. Ist ja auch klar, sie hat mich nunmal quasi während der Ausbildungsabschlusszeit bekommen. Da kannste nicht alles hinwerfen und sagen „so, jetzt ist Elternzeit“, sondern du musst alles dran geben, beruflich Fuß zu fassen um dem Kind eine Zukunft bieten zu können. Ich war deshalb viel „hier und dort“, habe Zeit bei Oma verbracht oder auch bei meiner Tante/meinen Cousins. „Heimat“ war für mich also wirklich eher Familie bzw. (da wie gesagt alle im gleichen Kaff wohnen) der Ort als „Zuhause bei Mutti“.
    Interessanter Fakt am Rande: Bis heute sag ich jedes Mal, dass ich „nach Hause“ fahre. Unabhängig, ob ich zu meiner Familie fahre oder in die eigene Wohnung. Beides ist irgendwie zuhause. Bei der Familie bin ich aufgewachsen und hier lebe ich. Wenn ich dann davon rede, dass ich am Datum X „zuhause bin“ braucht mein Umfeld immer ein bisschen, bis herausgefunden wird, ob ich jetzt meine, dass ich bei der dann ggf. stattfindenden Familienfeier nun anwesend bin oder ob ich an meinem Wohnort sein werde. Das führt mitunter zu großer Verwirrung, weshalb ich oft einfach sage, dass ich dann im Ort X oder Y sein werde. Gegenüber meinen Arbeitskollegen sag ich dann immer entweder, dass ich am Wochenende „zuhause“ oder „zuhause bei der Familie“ bin, wenn es darum geht, ob ich den Wochenend-Bereitschaftsdienst übernehmen kann.

    Was kann man also letztendlich über das Thema Heimat und Verbundenheit sagen? In meinem Fall würde ich es so beschreiben, dass ich immer eine besondere Verbundenheit zu meinem Ort der Kindheit / meiner ursprünglichen Heimat haben werde. Trotzdem ist mein jetziger Wohnort auch so etwas wie eine Heimat mit dem ich ebenfalls eine gewisse Verbundenheit – im Guten wie im Schlechten – verspüre.


  • Einmal Berlin und zurück

    Wie ich auf Twitter angekündigt hatte wollte ich euch ja noch von meiner Reise nach Berlin erzählen. Nun habe ich also nach mehreren Versuchen endlich Worte gefunden, die auch wieder mir einigermaßen gefallen und bin bereit darüber zu schreiben.

    Ich bin ein Mensch, der viel alleine ist. Wenig Freundschaften, Single, Familie weit weg; das alles sind Faktoren, die mein Leben schlicht und einfach erstmal einsam machen. Deshalb kann ich mich sehr gut darin hineinversetzen, wie es Menschen geht, die für eine gewisse Zeit ungewohnt weit weg von Freunden und Familie leben (müssen). So auch diesmal, als eine sehr enge Freundin für einige Wochen aufgrund der Behinderung ans andere Ende von Deutschland reisen musste. Schon im Vorfeld war ihr klar, dass dort der Besuch sehr gering sein wird einfach wegen der Entfernung. Trotzdem wollte sie dort hin, da sie wusste, dass es gesundheitlich das Richtige ist. Seit klar wurde, dass sie dort hin fährt habe ich gesagt, dass ich sie besuchen werde, koste es was es wolle. Einfach, weil ich wie gesagt weiß wie es sich anfühlt alleine zu sein und das möchte ich niemandem zumuten, schon gar nicht ihr.

    Mehrere Telefonate und SMS-Fluten später war dann auch ein Wochenende gefunden, die Reise und das Hotel gebucht. Leider konnte ich keinen Urlaub nehmen, so blieb mir also nichts anderes übrig, als Samstags hin und Sonntags wieder zurück zu reisen. In Anbetracht der knappen Zeit habe ich mich daher entschieden, eine Flugreise zu buchen. Dank relativ unchristlicher Abflugzeiten hielt es sich preislich auch überraschend in Grenzen. Zug wäre genauso teuer, aber 4 Stunden mehr pro Weg gewesen und das Auto wäre um längen teurer (und zeitlich länger!) gewesen. Nunja, bisher bin ich immer nur mit der Familie geflogen, da hat Mutti immer alles geklärt. Nun musste ich das erste Mal alleine dafür sorgen, dass in meinem Fall Air Berlin auch auf den Rollstuhl vorbereitet ist. Tja und was soll ich sagen, da finden die Probleme schon an…

    Ich habe extra telefonisch buchen wollen, da ich mir dachte, dass ich dort direkt den Rollstuhl mit anmelden könnte und auch andere Fragen bzgl. Gepäck etc klären kann. So weit, so gut. Die Fragen waren alle geklärt und die Tickets gebucht. Der Rollstuhl wurde mit angemeldet und sogenanntes „Preboarding“ war ebenfalls abgesprochen. Ich sollte also als erstes ins Flugzeug um Chaos und Stau zu vermeiden. Abgesehen davon, dass die Dame am Telefon kaum deutsch verstand hatte ich ein ganz gutes Gefühl bis hierhin.
    2 Tage später hatte ich immer noch keine Buchungsbestätigung im Mailpostfach. Also habe ich erneut für einige Gebühren angerufen. Dort fiel dann auf, dass beim ersten Telefonat ein falscher Passagiername notiert wurde. Wir mir dann (von der ebenfalls kaum deutsch sprechenden Dame) erklärt wurde, könne man den Passagiernamen leider nicht ändern, „da Passagiere normalerweise bei Flugantritt noch genauso heißen wie bei der Buchung“. Problem ist nur, dass dadurch auch die Buchungsbestätigung an eine falsche Mailadresse gingen, da diese meinen Namen enthält. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn es zufällig wirklich eine Person mit diesem „falschen“ Namen gegeben hätte…Immerhin ging die Kontoabbuchung ja durch, bezahlt war es also und der Empfänger hätte valide Buchungsdaten und -bestätigungen gehabt und wäre damit problemlos durchgekommen. Letztendlich wurde dann an der Buchung eine Notiz abgelegt in der mein richtiger Name stand. Nun bekam ich auch eine „Ersatzbuchungsbestätigung“ und alles schien gut.

    Am Abend vor dem Abflug habe ich mich dann online eingecheckt. Dies hat den Vorteil, dass man sich den überfüllten Check-in Schalter sparen kann und, wenn man kein Gepäck dabei hat, direkt zum Gate durch kommt. Was mir aber niemand verraten hat: Als Rollstuhlfahrer MUSS man den Schalter nutzen, da der Rollstuhl sonst nicht angemeldet ist!! Lasst euch das gesagt sein! Bemerkbar machte sich das erst beim Boarding. Die Flughafenmitarbeiterin dort kam kurz vor knapp und fragte mich dann, was ich hier am Gate machen würde. Ich antwortete verdutzt in etwa „Ähm, ich wollte nach Berlin fliegen. Hier ist meine Boardkarte!“. Darauf sie: „Ist der Rollstuhl angemeldet?“ – „Ja – ich habe mehrmals mit Air Berlin telefoniert und es steht ja hier auf meiner Buchung auch!“ – „Sind Sie schon eingecheckt?“ – „Ja, wieso?!“ – „Wir haben hier keinen Rollstuhl für die Maschine gemeldet bekommen“ – „Ja und jetzt?“ – „Muss ich das DRK anrufen und Sie müssen warten. Hoffentlich kommen die Kollegen rechtzeitig vor Abflug, sonst sieht es schlecht aus“.
    In diesem Moment verspürte ich eine Mischung aus Wut, Verwirrung und Fassungslosigkeit. Mehrmalige Anrufe und sogar die schriftliche Bestätigung und der Flughafen weiß von nichts?! Schlimmer noch: Ich sollte dafür bluten, dass meine korrekte Buchung nicht „durchging“? Später klärte sich dann auf, dass erst der Check-in Schalter normalerweise am Flughafen bescheid gibt und die Buchungsdetails selbst gar nicht an den Flughafen gehen. Schade nur, dass das niemand vorher erwähnt hatte. Mein Preboarding war damit dahin und wurde zu einem Lastboarding. Sitzplatzreservierung war natürlich auch verflogen und die Blicke der bereits im Flugzeug sitzenden Passagiere hätten mich vermutlich in Sekunden getötet, wenn möglich.

    Naja das konnte mir jetzt alles egal sein, ich saß ja endlich im Flugzeug. Kaum hatten wir die Reiseflughöhe von 10km erreicht, ging auch schon der Sinkflug los. Es war zwar anfangs stressig, aber im Vergleich die mit Abstand entspannendste Reisemöglichkeit ever! Frei nach dem „LILO-Prinzip“ musste ich, der als letztes rein kam auch als letztes wieder raus. Vermutlich, damit die Flughafenmenschen am TXL genug Zeit hatten, meinen Rollstuhl zu besorgen. Das hat dann glücklicherweise alles wunderbar geklappt und die dortigen Helferlein waren total gut drauf. Es war zwar sehr befremdlich, mit „Guten Morgen“ begrüßt zu werden, wenn man schon seit 7 Stunden wach ist (und quasi das „Mittagessen“ erwartet) aber ich wurde bis zum Shuttle begleitet. Wir hatten nebenbei eine sehr lustige Unterhaltung über seine Berufserfahrungen mit anderen Rollstuhlfahrern und überhaupt liebe ich ja die Berliner Schnauze 😀

    Soviel erstmal zur Hinreise. Ich weiß noch nicht, ob ich den Aufenthalt und die Rückreise ebenfalls trenne oder gemeinsam verblogge. Das wird sich entscheiden, wenn ich merke, wie viel ich zu sagen habe… Bis dahin, bleibt motiviert an diesem Montagnachmittag und freut euch auf Teil 2 und ggf. 3 meiner Odysee nach Berlin 🙂


  • Blogideekasten #46 – Wissen ist Macht – nichts wissen macht nichts

    Diesmal geht es im Blogideekasten um das Thema „Wissen ist Macht – nichts wissen macht nichts.“ Schwieriges Thema wie ich finde… Ich bin ein absoluter Vertreter der „Wissen ist Macht“-Position. „Nichts wissen macht nichts“ ist nicht wahr, wie ich finde. Dies musste ich bereits selbst erfahren.

    Ich denke jeder Mensch hat Dinge in seiner Vergangenheit, auf die er nicht besonders stolz ist. Dinge, die man am Liebsten ungeschehen machen würde oder zumindest aus den Erinnerungen aller Menschen streichen würde. Auch ich habe solche Erfahrungen gemacht, die ich rückblickend lieber nicht gemacht hätte. Denn diese Erfahrungen haben mich sehr viele Freundschaften gekostet. Nun mögt ihr sagen „Freunde kommen und Freunde gehen“, aber so war es leider nicht. Das Problem war, dass ich damals ohne es zu wissen in eine Art Wespennest gestochen habe. Ich habe mich mit einer Person sehr arg zerstritten, was zur Folge hatte, dass diese Person ihre gesamte „Clique“ auf mich gehetzt hat. Es wurden Gerüchte verbreitet und Dinge über mich erzählt. Stille Post inklusive. So war ich plötzlich quasi im Sinne des gesamten StGB schuldig ohne auch nur ein Haar gekrümmt zu haben. Wäre alles nicht so dramatisch, wenn das nicht irgendwann bis hoch in die Autoritätenebene geschwappt wäre. Letztendlich war ich froh, dass es mein letztes Jahr in der Einrichtung war, denn sonst wäre ich vermutlich zu meinem eigenen Schutz gegangen worden. Das Fatale an dieser Situation war nicht etwa, dass ich einem enormen Druck ausgesetzt war. Das Schlimmste war, dass ich selbst davon nichts mitbekam, da die Anschuldigungen ZUFÄLLIG genau dann aufkamen, wo ich längere Zeit nicht vor Ort war. Ich „wusste also nichts“ um das Thema mal zu zitieren. Hätte ich gewusst, was da vor sich geht, hätte ich entsprechend früh intervenieren können. Das beste Beispiel also um „Nichts wissen macht nichts“ zumindest für mich zu widerlegen.

    Jedenfalls verfolgt es mich bis heute immer wieder. Viele Menschen, die damals – wenn auch nur über 3 Ecken – von den oben genannten Gerüchten gehört haben und mir das Vorgeworfene wirklich zutrauen, nehmen merklichen Abstand. Immer, wenn ich jemanden kennen lerne, muss ich erstmal prüfen, ob dieser Mensch irgendwelche Verbindungen zu oben genannten Menschen hat. Einfach um abschätzen zu können, was dieser Mensch eventuell von mir zu wissen glaubt… Das ist verdammt anstrengend und einer der Gründe, weshalb es mir heutzutage schwer fällt, neue Freundschaften zu knüpfen. Wenn man etwas über jemanden weiß hat man unvorstellbare Macht über diesen Menschen. Auch, wenn man nicht direkt Einfluss auf das Leben des Menschen nimmt, kann man durch sein Wissen sehr viel Einfluss auf indirekte Art nehmen. Und sei es nur, dass dieser Mensch sich eingeengt fühlt und Angst hat sich zu öffnen. Ich musste es auf die schmerzhafte Art lernen. Eine Art, die nicht nur schmerzhaft war sondern zugleich beinahe völlig außer Kontrolle geraten wäre. Hätte irgendwer damals die Idee gehabt, das Ganze an die besonders große Glocke zu hängen, wäre meine Ausbildungsstelle geplatzt. Dort musste ich zur Einstellung erklären, dass ich bisher nicht auffällig geworden bin. Eine Anklage – im Zweifel auch mit Freispruch – hätte mir die Ausbildung kosten können. Und das nur, weil Menschen Dinge über mich erzählt haben und viele weitere dank stiller Post dachten, sie würden etwas wissen. Klar, dass die Autoritätspersonen dann intervenieren mussten. Wenn so viele Menschen etwas behaupten muss man dem nachgehen. Fatal war halt das „Wissen“ der anderen bzw das Nichtwissen darüber, dass es nur Gerüchte sind.

    Egal wie ich es drehe und wende: Wissen ist eine der größten Mächte der Menschheit. Nicht wissen macht sehr viel!


  • Letzte Worte – Teil 2

    Wie versprochen geht es heute mit dem Thema „Letzte Worte“ weiter. Ich habe im ersten Teil ja über ein sehr spezielles Thema gesprochen, welches mich persönlich sehr betrifft. Eigentlich wollte ich das Thema sehr viel allgemeiner beschreiben…Allerdings noch ein kleiner Nachtrag zu gestern:
    Dieser Freund war nicht der einzige Schüler unserer Jahrgangsstufe, der während der drei Abijahre von uns gegangen ist. Insgesamt sind drei Schüler/innen gestorben. Einer davon relativ früh und „still“. Er war nicht so im Mittelpunkt, wie der im ersten Teil beschriebene Schüler und war eines Tages einfach nicht mehr da. Das Gerücht, er hätte die Schule krankheitsbedingt abbrechen müssen machte sich breit und hielt sich bis zum Ende. Das wäre auch nichts besonderes gewesen und mit dem Thema Tod hat sich bis dato nie jemand beschäftigt, als dass wir auch nur darüber nachgedacht hätten.
    Die dritte Person – diesmal eine Schülerin – verstarb eines Tages urplötzlich und ohne das kleinste Anzeichen. Ihre Behinderung war allerdings unschuldig. Sie starb eines Abends an einer Lungenembolie, wie uns erzählt wurde. Die Schülerin verstarb als die letzte im Bunde der drei. Sie hat sogar bereits die ersten Abi(vor?)klausuren geschrieben. Aber warum erzähle ich das alles?

    Tjanun, alle drei Todesfälle waren unvorbereitet und plötzlich. Von keinem der drei konnten wir uns wirklich verabschieden und bei gerade mal einem erinnere ich mich überhaupt noch an die letzten Worte. Und die letzten Worte – dieses letzte Gespräch – ist unweigerlich das, wie wir einen Menschen in Gedanken behalten. Nicht auszudenken, wie es wäre, wenn ich mit einem dieser Menschen im Streit auseinander gegangen wäre. Ich hätte es mir nie verziehen, dass sie mit dem Gedanken „Der Kerl ist doch scheiße“ gestorben wären. Und andersrum genauso. Ich bin froh, alle drei in guten Gedanken zu halten.

    Lasst es euch also bitte gesagt sein: Niemand weiß genau, wann er oder sein gegenüber sterben muss. Niemand weiß also, ob er noch einmal die Gelegenheit haben wird, mit einem Menschen zu reden. Oder ihn so zu herzen, wie man es schon immer wollte, weil der Gegenüber es einfach verdient hat (Funfact am Rande: Ich liebe es, von tollen Menschen umarmt zu werden <3 – Also los, traut euch ruhig, wenn wir uns sehen!)

    Wirklich wundervoll wäre es, wenn ich nicht nur von den üblichen 2 Verdächtigen sondern auch mal von den stilleren Lesern etwas höre, denn dieses Thema geht mir aufgrund meines persönlichen Bezuges wirklich sehr nah! Falls ihr nicht öffentlich kommentieren wollt, dann könnt ihr mir natürlich auch gerne eine Twitter-DM schreiben. Auch auf Facebook lese ich täglich Nachrichten, so denn welche rein kommen 🙂 Notfalls gerne trotzdem kommentieren und dann im Kommentar vermerken, dass ihr nicht wollt, dass der Kommentar freigeschaltet wird! Kommentare ohne besonderen Vermerk schalte ich wie gewohnt frei. Ich kann euch dann aber eine Mail schreiben, wenn ihr die Mailadresse im Kommentar hinterlegt – oder euch natürlich auch anderweitig antworten. Einfach sagen ob/wie ihr Antwort wollt, denn ungefragt schreib ich keine Mails!

    Nun zu dem was ich mir überlegt habe: Ich möchte für jeden wichtigen Menschen einen Brief schreiben. Jeden dieser Briefe möchte ich handschriftlich verfassen. In diesem Brief verfasse ich die letzten Worte und Gefühle, die ich diesem Menschen sagen möchte. Dinge, die man nicht einfach so sagt, sondern Dinge die einfach gesagt sein müssen. Persönliche Dinge halt. Vielleicht auch Dinge, die ich mich nie getraut habe zu erwähnen. Oder Dinge, deren Erwähnung noch auf den richtigen Zeitpunkt warteten. Ich habe mir noch nicht überlegt, wen ich dafür aussuchen möchte, aber ein Mensch wird beispielsweise auch das Master-Passwort (und die weiteren nötigen Schritte zur Entsperrung) meiner Passwortdatenbank bekommen. Dort sind alle wichtigen Zugänge für Mails, Social Media und anderer Kram hinterlegt. Ich möchte nicht, dass meine Internetidentität mit der Zeit verwaist und verwahrlost. Person X soll dann – auch das wird in diesem Brief stehen – die Konten „in meinem Namen“ löschen/deaktivieren und sich eventuell auch um bestehende Verträge etc kümmern. Hauptsächlich möchte ich diese Briefe aber wie gesagt nicht für so formellen Quatsch nutzen, sondern um halt das Problem des Nichtsagens der letzten Worte zu umgehen. Ich glaube einfach, dass es wichtig ist, dass die Menschen mich so in Erinnerung halten, wie sie es verdient haben. Unabhängig davon, wann und wie wir das letzte Mal Kontakt hatten.
    Empfänger außerhalb meiner Familie werden ihren Brief dann postalisch erhalten. Für diejenigen, deren Postadresse ich habe, werde ich dazu einen Briefumschlag mit Adresse fertig machen. Alle anderen Briefe werden lediglich in einem verschlossenen Umschlag mit Vor- und Nachnamen versehen. Die Umschläge der Briefe für Menschen, deren Postadresse ich nicht habe, die aber trotzdem einen Brief erhalten sollen, werde ich gesondert kennzeichnen. Eine Person aus meiner Familie wird dann in ihrem Brief stehen haben, dass die Person XY beispielsweise über Facebook oder sonstwie kontaktiert werden kann um eine Übergabemöglichkeit für den Brief zu schaffen. So ist sichergestellt, dass – sobald meine Familie sich dazu imstande fühlt – ich mich post mortem von allen wundervollen Menschen verabschieden konnte. Unabhängig davon, wann und wie man das letzte Mal Kontakt hatte.


  • Letzte Worte

    Niemand weiß vorher, was seine letzten Worte sein werden. Erst Recht die letzten Worte eines anderen vermag niemand im Voraus zu erraten. Dennoch sind letzte Worte etwas unfassbar wichtiges. Dies musste ich bereits am eigenen Leib erfahren.

    Wie ich bereits diverse Male berichtet hatte, habe ich während meiner schulischen Laufbahn einmal mehr als gewöhnlich die Schule gewechselt. Genauer gesagt bin ich mit Beginn der 9. Klasse von einer Regelschule auf eine Körperbehindertenschule gewechselt. Dort habe ich das erste Mal sowas wie Freundschaften gefunden. Enge Freundschaften, von denen u.a. eine zu einem Menschen bestand mit dem ich definitiv auch heute noch sehr eng befreundet wäre. Wäre da nicht der Tod. Dieser Mensch hatte eine Muskelkrankheit. Damit ging es ihm verhältnismäßig gut. Mit den Jahren hat er zwar deutlich und rasant abgebaut (als ich ihn in der Neunten kennen lernte konnte er noch normal essen – in der Oberstufe konnte er den Arm nicht mal mehr heben) aber das tat seinem Lebenswillen absolut keinen Abbruch. Im Gegenteil: Er war ein sehr lebensfroher Mensch, der für jeden Spaß zu haben war und mit dem man aber auch über ernste und private Dinge reden konnte. Wir teilten uns auf der Stufenfahrt ein Zimmer und hatten somit u.a. eine Woche sehr sehr intensiven Kontakt, der uns so richtig zusammen geschweißt hatte. Es tat mir unwahrscheinlich gut, diesen Menschen in meinem Leben zu haben.
    Es kam dann eine Woche – wir standen relativ kurz vor den Abiturprüfungen – die verlief eigentlich wie jede andere. Außer, dass dieser Mensch eine Routineuntersuchung hatte. Dort wurden für seine Behinderung typische Untersuchungen durchgeführt. Tags darauf kam er wie gewohnt zur Schule und auch wenn es sowieso niemand geglaubt hätte, wollten wir uns natürlich versichern, dass alles gut ist. Und das war es auch – zumindest sagte er uns dies. Die Woche verlief dann auch normal weiter und wie jeden Freitag verabschiedeten wir uns mit einem lockeren „Hau rein, wir seh’n uns Montag!“.
    Ich selbst war dann Montag nicht in der Schule, da ich einen Arzttermin hatte. Dieser Mensch war, wie ich später noch erfuhr, ebenfalls nicht dort. Er hatte sich krank gemeldet. Soweit erstmal nichts dramatisches. Im Laufe des Tages wurde dann (so erzählte man mir) die gesamte Jahrgangsstufe zusammengetrommelt (was schon sehr ungewöhnlich ist) und das gesamte Stufenleiterteam war anwesend. Was dann folgte war etwas, was niemand auch nur ansatzweise für möglich gehalten hätte. Man sagte den Schülerinnen und Schülern, dass der Mitschüler den Kampf gegen seine Behinderung verloren hat und gestorben ist.

    Wir waren fassungslos. Diese Leere war auch über die mehreren hundert Kilometer, die ich zu diesem Zeitpunkt entfernt war zu spüren. Fragt mich nicht woher, aber ich merkte, dass irgendwas nicht stimmte. Ich schwang mich also vor MSN (der Vorgänger von Skype 😛 ) und fragte – nur um mein Gewissen zu beruhigen – einen Jahrgangskollegen, wie es ihm ging. Dieses typische „Hi, wie gehts?“ – „Gut und selbst?“ Geplänkel halt… An diesem Tag kam aber kein „Gut und selbst?“ sondern an diesem Tag kam ein „Du weißt es schon?“ zurück. Da wusste ich, irgendwas Schlimmes muss passiert sein. Da ich mir aber in meinen schlimmsten Alpträumen nicht hätte vorstellen können, meinen Freund eines Tages zu verlieren, fragte ich naiv nach, was er meinte und es kam ein trockenes und direktes „S. ist tod“. Ohne langes herumreden, ohne lange zu zögern wurde mir diese Tatsache vor die Füße geworfen. Ich war getrennt von den Schulfreunden; alleine bei meiner Familie und hatte gefühlt null Rückhalt. Es war grauenhaft. Ich kann nicht mal sagen, was ich in diesem Moment gefühlt und/oder gedacht habe, aber es fühlte sich alles so leer und unbedeutend an. Nie mehr sollte ich mit ihm Scherze aushecken? Nie mehr Rollstuhlrennen? Nie mehr diese intensiven Gespräche? Das konnte doch alles nicht wahr sein! Seltsamerweise wusste ich, dass die Nachricht kein übler Scherz war. Nicht, weil ich es diesem MSN-Gesprächspartner nicht zugetraut hätte, sondern ich fühlte es. Ich wusste er hatte recht, auch wenn ich es nicht wahr haben wollte.

    Tags darauf fuhr ich dann wieder in die Schule. Wir hatten bis einschließlich Mittwoch keinen Unterricht, sondern durften uns auf dem Schulgelände (Ja, es bestand Anwesenheitspflicht in den Stunden, die regulär Unterricht stattgefunden hätte…) frei bewegen. Der Schulleiter hatte einen Raum als Gedenkraum ausgesucht. Dort wurde eine Art Altar aufgebaut, mit Fotos, Blumen und Gegenständen, die wir mit ihm verbunden haben. Als ich Dienstag in die Schule kam wusste ich jedoch nichts mit mir anzufangen. Ich hatte nicht die Kraft, diesen Gedenkraum aufzusuchen. Ich wusste, dort würde ein großes Foto von ihm stehen und ich wusste, dass ich es nicht aushalten würde, ihm ins Gesicht zu sehen und zu wissen, dass ich nie wieder seine Stimme hören würde. Seine Stimme? In diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Haaren! Seine letzten Worte waren „Wir seh’n uns Montag!“. Zumindest seine letzten Worte für mich. Seitdem klammere ich mich an ebendiese letzten Worte. So viel hätte ich ihm noch sagen wollen. So viel noch mit ihm zu besprechen. Das alles wurde mir genommen. Nein! Mir war klar, ich brauchte Hilfe bei der Bewältigung dieses Verlustes. „Glücklicherweise“ ging es ja nicht nur mir so. Dieser Mitschüler war äußerst beliebt in der Klasse. Ich suchte mir Hilfe um den Gedenksaal zu besuchen. Hilfe war schnell gefunden, denn meine Mitschüler wussten ja, dass ich der einzige war, der nicht am gestrigen Tag in der Schule war um es „direkt“ zu erfahren und ich somit noch eine Spur gebrechlicher in meinen Gefühlen war. Es war grauenhaft und wundervoll zugleich. Meine Mitschüler hatten sich wirklich unfassbar viel Mühe gegeben bei der Gestaltung dieses Raumes am Vortag. Ich saß einfach nur da und heulte. In diesem Moment – als ich ihm in die Augen sehen durfte – platzte es komplett aus mir raus. Ich wurde dann von meinen Mitschülern aus diesem Raum gefahren, da diese gemerkt hatten, dass mich dieser Anblick gerade zu sehr belastet. Für den Rest des Tages habe ich mich dann verkrochen und wollte mit niemandem reden. Ich suchte nach der Lösung, wie ich ihn wieder bringen konnte. Natürlich wusste ich, dass das nicht geht, aber ich konnte und wollte es einfach nicht wahr haben!
    Die folgenden Unterrichtswochen waren besonders. Natürlich wussten auch die Lehrer, dass „normaler Unterricht“ nicht möglich war. Aber sowohl die Lehrer als auch wir Schüler taten unser Bestes daran, die Sache zu akzeptieren und damit umzugehen. Wir nahmen sogar ein Foto mit in den Unterricht und stellten es auf seinen Platz. Es sollte einfach nicht so leer sein. Wir stützten uns gegenseitig in dieser Zeit und versuchten „das Beste aus der Situation zu machen“ auch wenn es in so einer Situation absolut nichts „Bestes“ gibt.
    Selbstverständlich wurden wir dann auch für seine Beisetzung vom Unterricht freigestellt. Wir waren dort geschlossen als Jahrgangsstufe präsent und hatten so die Möglichkeit, ihn gemeinsam gehen zu lassen.
    Bei allem Verabschieden wollten wir ihn aber nie so ganz gehen lassen. Neben der Tatsache, dass sein Abbild an den Unterrichtsstunden teilnahm, hat er auch Platz auf dem Abschlussfoto gefunden und in der Abizeitung wurde er – so normal es eben ging – auch beschrieben. Wir haben dort für jeden Schüler einen Steckbrief erstellt, auch er hat einen, welcher sich (bis auf das Todesdatum) in keinster Weise unterscheidet. Er sollte und wird für immer ein Teil von uns bleiben.

    Seit seinem Tod besuche ich jedes Jahr sein Grab. Der Tod ist jetzt fünf Jahre her und bis heute habe ich es wirklich jedes Jahr geschafft. Das ist das Einzige, was ich noch für ihn und diese besondere Freundschaft tun kann. Und ich werde es weiterhin tun, so lange es mir irgendwie möglich sein wird. Denn das bin ich ihm schuldig. Er hat mir so viel Kraft gegeben und nun ist es an mir, ihn in meinem Herzen unsterblich werden zu lassen, denn nichts anderes hat er verdient!
    Ich habe auch weiterhin sehr engen Kontakt zu seiner Familie. Unter anderem habe ich erfahren, dass er wohl kurz vor seinen Tod gemerkt hatte, dass es soweit ist. Sein Vater berichtete mir, dass er ihm noch sagen konnte, er solle bitte schnell seine Mutter holes, denn es sei wichtig. Als beide dann bei ihm waren, konnte er sich noch verabschieden. Seine genauen letzten Worte kenne ich nicht, ich weiß jedoch, dass er noch sagen konnte, dass er nun gehen wird (und vermutlich etwas in Richtung „Ich habe euch lieb“).
    Am Ende wusste er also, dass seine Zeit gekommen war und er hatte das Glück, seine letzten Worte noch bei klarem Verstand zu wählen. Er konnte sich noch von seinen Eltern verabschieden. Dies macht seinen Tod für mich zu etwas ganz besonderem. Kaum jemand hat die Chance, sich von seinen Liebsten zu verabschieden. Umso wichtiger ist es, sich gut zu überlegen, was man seinem Gegenüber an den Kopf wirft. Es könnte das letzte sein, was man diesem Menschen sagt. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn wir an diesem Freitag im Streit auseinander gegangen wären und ich bin irgendwie auch froh, dass seine letzten Worte so unbeschwerlich waren, denn das ist, wie ich ihn in Gedanken halten möchte. Ein treuer Freund, der trotz seiner Behinderung (und der Tatsache, dass er deshalb wusste, niemals so alt wie andere zu werden) so lebensfroh und stark das Leben genoss und immer für mich da war.

    Ich danke dir, dass ich dich kennen lernen und dein Freund sein durfte.

    Aufgrund der spontanen Schreibflut werde ich das Thema „letzte Worte“ auf mehrere Teile aufspalten, die entweder täglich oder spätestens alle zwei Tage erscheinen. Ich denke, 1600 Worte sind zwar lange nicht genug für diesen Freund, aber mehr kann und möchte ich euch nicht auf einmal vors Gesicht werfen. Abgesehen davon muss ich mal gerade spontan heulen gehen…


  • Eine neue Schwerbehindertenvertretung

    Heute hatte ich auf der Arbeit ein interessantes Gespräch. Ich arbeite ja im öffentlichen Dienst in der IT. Seit dem 01.01.2016 wurde ebendiese in eine eigene IT-Behörde zusammengelegt. An der Dienststelle in der ich eingesetzt bin, gibt es derzeit 5 Schwerbehinderte Menschen. Neue Behörde = meine bisherige Schwerbehindertenvertretung ist nicht mehr weiter für mich zuständig – zumindest offiziell. Soviel vorweg.

    Nun ist es also so, dass demnächst eine neue Schwerbehindertenvertretung gewählt wird. Da wir wie gesagt genau 5 Schwerbehinderte sind, haben wir exakt die Schwelle erreicht, ab der uns eine Ortsvertretung zusteht. Tja und da fragte mich die bisherige Schwerbehindertenvertretung ob ich nicht Interesse hätte, ebendieses Amt zu bekleiden. Und ich muss sagen…ich weiß nicht! Einerseits macht es mir sehr viel Spaß, mich mit Ämtern um Rechte zu prügeln (Stichwort Behindertenparkplatz und Ordnungsamt). Andererseits befürchte ich, hab ich zu wenig Durchsetzungsvermögen bzw lasse mich zu schnell „unterbuttern“ wie man bei uns aufm Land immer gesagt hat. Ich habe Angst, dass ich den Betroffenen damit keinen Gefallen tue und den Job eher schlecht als recht erledige. Auch, weil ich – außer bei den Dingen, die ich selbst bereits durch gemacht habe – absolut keinen Plan hab im Thema Arbeitsrecht.

    Ich habe einfach Angst, mich mit der Aufgabe total zu übernehmen! Ich bin sowas von zwiegespalten und muss mich gerade im Moment erstmal selbst ordnen…Ich will, aber ich traue es mir momentan einfach nicht zu und habe gewissermaßen auch Angst vor der Verantwortung, denn dieses Amt bedeutet ja auch, mich im Zweifel mit der Behördenleitung kritisch auseinander zu setzen und Dinge im Personalrat „durchzuboxen“.

    Vielleicht wäre es ja eine Idee, das Ganze als Vertreter zu machen. Dann kann ich die Verfahren zwar begleiten, bin aber nicht hauptverantwortlich. Dann hoffe ich einfach, dass der Verantwortliche nicht krank wird 😛 Ach ich weiß es doch auch nicht…


  • Blogideekasten #11 – Dankbarkeit

    Kurz vor Fristende folgt dann auch mein Beitrag zum Blogideekasten \o/ Das Thema lautet diesmal „Dankbarkeit“.

    Ich muss gestehen – ich habe echt überlegt, dieses Stichwort eventuell sogar auszulassen, da es ein Thema ist, wo es mir schwer fällt darüber zu schreiben. Warum ist das so?
    Nunja, es ist nicht so, als wäre ich ein undankbarer Mensch. Es ist nur so, dass ich gerade bei solchen Themen große Angst habe, die besonderen Menschen in meinem Leben nicht besonders genug hervor zu heben, sodass diese sich dann eventuell gekränkt fühlen könnten. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, keine Namen und/oder genaue Situationen zu beschreiben, sondern das Thema etwas allgemeiner anzufassen.

    Ich denke, wir alle hier dürfen für unser vergleichsweise unbeschwertes Leben dankbar sein. Wir haben fließendes Wasser, welches wir (abgesehen von der einen oder andere störrischen Dusche, die nur zw. kochen und crushed ice unterscheiden kann) in Sekunden auf die gewünschte Temperatur bringen können. Dazu einen festen Wohnsitz, Strom, mehr als genug Nahrung und und und…
    Vielen anderen Menschen geht es da schon ganz anders. Ich möchte hier jetzt keine „Brot für die Welt“-Debatte lostreten – ich möchte einfach mal danke sagen, dass ich mir um das grundlegende Überleben keinerlei Sorgen machen muss und mir dazu auch noch die Freiheit gönnen kann, zu tun und zu lassen wonach mir ist. Denn das ist nicht selbstverständlich.

    Wie gesagt, ich bin auch für viele Situationen, die ich erleben durfte und für viele Bekanntschaften und Freundschaften dankbar. Und für viele (aber nicht alle!) meiner Familienmitglieder, denn auch ohne diese wäre ich nicht der, der ich heute bin bzw. dort wo ich heute bin. Und obwohl ich aus o.g. Gründen nun niemanden direkt ansprechen möchte, möchte ich diesen Beitrag dazu nutzen, darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, Dankbarkeit auch zu zeigen! Zu merken, dass der gegenüber dankbar ist für das, was man ihm getan hat, ist toll. Es erfüllt einen mit Glücksgefühlen, fast so sehr, als wäre einem gerade selbst unter die Arme gegriffen worden. Auch wenn’s komisch klingen mag, aber sogesehen erzeugt Dankbarkeit selbst wiederum Dankbarkeit 🙂 Also, wenn ihr froh seit, dass Person X etwas für euch getan hat, dann sagt es diesem Menschen bitte auch.
    Und das sag ich jetzt nicht nur, weil es einfach wahr ist, sondern ich möchte damit wiedermal etwas loswerden, was mir schon Ewigkeiten durch den Kopf geht…

    Wie ich an diversen Stellen ja schonmal sagte, leide ich extrem an Selbstwertstörungen und vor allem ist auch mein Selbstbewusstsein im Dauerurlaub. Deshalb möchte ich an dieser Stelle mal eine Lanze für alle brechen, denen es evtl. genauso oder ähnlich geht! Zumindest ich (und ich vermute, anderen mit diesen Problemen geht es ähnlich) bin immer außerordentlich erfreut, wenn jemand mir SAGT, dass er dankbar ist was ich getan habe oder meine Bekanntschaft gemacht zu haben oder ähnliches. Es ist einfach ein tolles Gefühl, zu merken, dass andere mich gar nicht so negativ sehen, wie ich es selbst tue. Das gibt mir die Kraft, nicht gänzlich im Loch aus Frust und manchmal auch Selbsthass zu versinken. Es tut einfach unfassbar gut und es hilft gegen diese innerlichen Schmerzen. Nicht jedem Menschen sieht man es an, dass es ihm innerlich schlecht geht – eigentlich sieht man es kaum jemanden an. Denn die meisten versuchen vor anderen stark zu wirken um nicht ausgegrenzt zu werden. Dies ist auch einer der Gründe für den Blog hier. Tagsüber und auf der Arbeit bin ich immer der starke, vermeintlich selbstbewusste Typ Mensch und sobald ich dann in meine Wohnung komme und die Tür hinter mir schließe kann ich endlich sein wie ich bin. Oft sitze ich dann abends allein auf der Couch und frage mich, woran es wohl liegen mag, dass niemand diesen Abend mit mir verbringen will. Der Blog ist für mich das Medium um halbwegs anonym mit den Gedanken fertig zu werden und wieder Kraft zu tanken. Auch dafür bin ich dankbar. Ich habe lange gesucht wie ich meine Gedanken festhalten kann bis mir eines Tages nahegelegt wurde doch zu bloggen und dies war eine verdammt gute Entscheidung. Oder etwas direkter formuliert:

    Danke, dass es euch – die ihr das hier lest – gibt. Danke, dass es die Twitter-Familie gibt. Danke für jedes Gespräch, sei es über DM’s, Mentions oder andere Wege (ich freue mich übrigens immer wie ein kleines Kind über Post im DM-Fach!). Ihr seit der Kraftstoff, der mich Tag für Tag den harten Alltag bewältigen lässt. Danke, dass ich durch das Bloggen einen Weg gefunden habe, von meinen Gedanken los zu lassen. Einfach Danke für alles, was mich zu dem hat werden lassen, der ich heute bin. Ecken und Kanten gehören dazu und auch wenn ich definitiv zu viele davon habe; ich bin halt ein sehr harter Diamant, der schwer glatt zu schleifen ist 😛